„Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, …“:
Annette von Droste-Hülshoff 

Annette von Droste-Hülshoff wird im Januar 1797 auf der Wasserburg Hülshoff, knapp zehn Kilometer von Münster in Westfalen, geboren. Es handelt sich um eine Frühgeburt und die künftige Literatin wird nur durch die aufopfernde Pflege einer Amme am Leben erhalten. Schwäche und Zartheit der Kindheit entwickeln sich zu Krankheit und Leiden, die schließlich, am 24. Mai 1848, zum frühen Tod auf der Meersburg am Bodensee führen. Meersburg war im Besitz des Schwagers Freiherr von Laßberg und wurde aus gesundheitlichen Gründen zum zeitweiligen Wohnsitz gewählt. „Die Droste“ erhält eine strenge, konservative, aber auch anspruchsvolle Erziehung. Sie lernt Mathematik, Latein, Griechisch und etliche weitere Fremdsprachen. Mit ihrem Namen sind natürlich die berühmte Novelle „die Judenbuche“ und das Gedicht „der Knabe im Mohr“ verbunden. Aber Annette von Droste-Hülshoff ist auch musikalisch sehr talentiert. Der Zeitgenosse und Schriftsteller Levin Schücking schreibt: „Sie besaß eine große und schöpferische Begabung in der Musik.“ Es werden 74 Lieder komponiert, Clara und Robert Schuhmann gehören zum Bekanntenkreis.
Literaturgeschichtlich wird das Werk der Dichterin dem Biedermeier zugeordnet, einer Epoche (1820 – 1850), die das Private, Kleinbürgerliche in den Fokus rückt. Weniger die große, weite Welt, weniger das rauschhafte Erleben, sondern die Bändigung der Leidenschaften und das genügsame, schlichte Leben bestimmen Leben und Lebensanschauung. Arbeit, Fleiß und Pflichterfüllung und der Rückzug in die gemütliche „Gute Stube“ bilden das Ideal. Die Bilder des Malers Carl Spitzweg geben vielleicht am ehesten das Lebensgefühl dieser Ära wieder.
Überall dort, wo Annette von Droste Hülshoff sich „auf den erkennbaren Bereich ihrer nächsten Umwelt beschränkte, die Natur, die menschliche Psyche, das soziale Milieu, ist ihr Werk von großer Intensität, Detailtreue und Wahrheit. Mit diesen Dichtungen zählt sie zu den bedeutenden Realisten des 19. Jahrhunderts“ (Rudolf Walbiner).
Man mag überlegen, ob eine solche Schriftstellerin auf dem ehemaligen 20 DM- Schein (1992) der Bundesrepublik nicht unter Wert repräsentiert wurde. Auf jeden Fall kann man sich und sie mit ihren eigenen Worten aus dem Jahr 1843 trösten:
„Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber in hundert Jahren möchte ich gelesen werden“.
Die Droste-Hülshoff-Straße führt von der Süd- zur St. Fidelis-Straße.

 

20 DM – Schein
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