Mit schwarzer Fahne unterwegs
Der Pulvermühlweg

 

Schwer vorstellbar, dass dort, wo heute Katzen gemütlich in der Sonne dösen und Hunde fröhlich Gassi gehen, ein ganz und gar nicht idyllisches Unternehmen seine Wurzeln hatte.
Wo heute Menschen friedlich miteinander leben, und bunte Blumen blühen, drohte Gefahr für Leib und Leben.
Denn auf diesem Gelände gab es einmal eine Pulverfabrik, eher als „Pulvermühle“ bekannt, daher auch der Name „Pulvermühlweg“.
Die St. Ingberter Pulverfabrik wurde 1874 von den Brüdern J. B. und H. Martin gegründet, und 1878 in Betrieb genommen. Es wurden Sprengpulver und Sprengsalpeter, so wie Jagd- und Feuerwerkspulver erzeugt. Das Werk wurde ständig erweitert und wuchs zu einer der größten deutschen Schwarzpulverfabriken. Hauptabnehmer waren die Erz- und Kohlegruben in Lothringen und Hartsteinbrüche in der Pfalz. Die Pulver-Fuhrwerke des Unternehmens (der Bahntransport war nicht erlaubt) waren mit einer schwarzen Fahne gekennzeichnet.
Bis zum Ende des ersten Weltkriegs lief die Produktion auf Hochtouren. In diese Zeit ereignen sich auch zwei schwere Unglücke. Das Pfarrgedenkbuch von 1916 von Prälat Josef Göbel berichtet über Explosionen im Oktober und Dezember. Drei Tote und zwei Schwer-verletzte waren zu beklagen. Als Ursache wurde minderwertiges Material vermutet. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Fabrik die gesamten Absatzmärkte in Elsaß-Lothringen. Der geplante Bau der Autobahn, deren Verkehrsführung über das Firmengelände führen sollte, und die Erweiterung der Wohngebiete in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk, führten schließlich 1939 zur Schließung.
Das heutige St. Ingberter Kulturhaus in der Annastraße hält die Erinnerung an die „Pulvermühle“ noch wach:die „Villa Martin“ ist der einstige Wohnsitz der Industriellenfamilie Dr. Karl Martin.

Überreste der ehemaligen Pulverkammern auf dem Gelände der Pulvermühle

 

 

 

Freundliche Unterstützung von A. Klein