„Sie werden lachen, die Bibel“
En passant: Die Bert-Brecht-Straße

 

Die Bibel also. Diese Antwort auf die Frage, welches Buch ihn am meisten beeindruckt habe, würde man auf Anhieb bei einigen Autoren vermuten und erwarten, aber wohl kaum zuerst bei Bertolt Brecht, dem Schöpfer der berühmten „Dreigroschenoper“. Zumindest die ersten Assoziationen siedeln den großen Dramatiker doch zuerst in der marxistischen Schublade an, und die Beschreibung eines Zeitgenossen weist vielleicht auch in eine andere Richtung. Der Kunstmäzen Harry Graf Kessler schreibt über ihn: „Auffallender Dekadentenkopf, fast schon Verbrecherphysiognomie, sehr dunkel, schwarzes Haar, schwarze Augen, dunkle Haut, ein eigenartig lauernder Gesichtsausdruck: fast der typische Ganove“ (Vgl. Stephen Parker, S. 386). Kessler findet Brecht allerdings auch „nicht unsympathisch“. Vielleicht findet sich in dieser Antwort ja auch eine weniger transportierte Seite von Brecht. Wie auch immer, den ersten Kontakt mit dem Buch der Bücher erlebt bereits der junge Berthold über seine Mutter Sophie und spätere Werke haben deutliche Bezüge zur Bibel und deren Themen.
Geboren wird Eugen Berthold Friedrich Brecht am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn des kaufmännischen Angestellten Berthold Brecht und dessen Frau Sophie, geborene Brezing. Bereits als Kind wird Brecht von Herzbeschwerden geplagt und er stirbt am 14. August 1956 in Ostberlin an Herzversagen.
Seine Lebensspanne beinhaltet nicht mehr und nicht weniger als die dramatischsten Jahre Deutschlands im 20.Jahrhundert. Kaiserreich, Weimarer Republik, zwei Weltkriege und zwei Diktaturen markieren die Zeitrahmen des Dramatikers, dessen Werke nach wie vor auf den Weltbühnen gespielt werden. So ist es natürlich auch nicht verwunderlich, wenn dieses Leben zwischen Krieg und Exil, Tod und Leiden und Barbarei sich auch in den Themen des Brechtschen Werkes wiederfindet.
Untrennbar mit Brecht verbunden ist das Berliner Ensemble, das er 1949 mit Helene Weigel zunächst am Deutschen Theater gründet, welches 1954 an das Theater am Schiffbauerdamm umzieht und zu den renommiertesten und traditionsreichsten Bühnen Deutschlands gehört. Ebenso untrennbar mit ihm verbunden ist das „Epische Theater“, das er ins Leben ruft und mit dem Mittel der „Verfremdung“ den Zuschauer zu einer kritischen und distanzierten Ansicht des Bühnengeschehens führen soll. Im Fokus steht die gesellschaftskritische, distanzierte Erkenntnis.
Unzweifelhaft polarisiert Bert Brecht bis heute. Sein Zynismus, sein Spiel mit Hedonismus und Askese, sein Verhalten gegenüber anderen Menschen, insbesondere gegenüber Frauen, oder seine Rolle in der DDR, insbesondere am Aufstand des 17. Juni 1953, werden auch weiterhin umstritten bleiben. Er hat es wohl geahnt und offensichtlich auch so gewollt. Einige Wochen vor seinem Tod äußert er sich gegenüber einem Pfarrer: „Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke“.
Unzweifelhaft bleibt aber auch, dass etwa mit der „Dreigroschenoper“, „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Galileo Galilei“, oder dem „Kaukasische Kreidekreis“ literarische Werke geschaffen wurden, die zu den bedeutendsten in deutscher Sprache gehören.

Die Bert-Brecht-Straße liegt westlich der Oststraße, zwischen Hobels- und Pfarrer-Lauer-Straße.

Bert Brecht